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Schlaich (DE)
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Jörg Schlaich (DE)
www.sbp.de

Entwurf, Konstruktion aus Bambusstäben, Bau einer Kuppel

30.07. - 05.08.2006

Der Kuppelbau war schon in der Antike die große Herausforderung für die Baumeister. Sie mauerten Kuppeln aus Stein (das Grabmal des Agamemnon, 1500 v.Chr.) oder gossen sie aus Opus Caementitium (das Pantheon in Rom, 120 n.Chr.) und waren daher immer auf der Suche nach der idealen Form, weil diese Werkstoffe nur Druck- aber keine Zugspannungen ertragen können. Hinzu kam der Bau geeigneter Rüstungen, weil Kuppeln wie Bögen erst selbständig tragen, wenn der Schlussstein oder Druckring eingesetzt ist.

Ein epochaler Entwicklungsschritt kam mit der Erfindung des zug- und druckfesten Stahlbetons und Spannbetons mit dem, auch noch auf Rüstung und Schalung, sehr schöne Kuppeln mit nur wenigen Zentimetern Dicke gebaut wurden (der Palazetto dello Sport von P.L. Nervi, 1957, oder die elegante Schale von Heinz Isler für die Autobahn-Tankstelle Deitingen in der Schweiz, 1968).

Bauersfeld und Dischinger bauten für das Planetarium in Jena die erste gerüstfreie Stahlbetonschale, indem sie zunächst eine „geodätische Kuppel“ aus Stahlstäben errichteten und diese dann mit Spritzbeton schlossen, 1922.

Buckminster Fuller entwickelte diese geodätischen Kuppeln, basierend auf dem Ikosaeder und einer Kombination von Sechs- und Fünfecken, wie wir’s vom Fußball her kennen, weiter zur leichten Raumstruktur, die mit Plexiglas oder Glas transparent eingedeckt werden kann (am bekanntesten der US-Pavillon auf der Expo in Montreal, 1967).

Noch leichtere und einfachere Kuppeln lassen sich nach dem „Salatsiebprinzip“ herstellen, wenn man ein Maschennetz, das eben ausgelegt quadratische Maschen hat, anhebt und dadurch beliebig räumlich krümmen kann, dass sich seine Maschenwinkel ändern. Dieses altbekannte Prinzip, man denke an die Stoffzelte der Nomaden oder das Olympiazeltdach in München (1972) wurde von Frei Otto weiterentwickelt und mit der Gitterschale mit der großen Multihalle in Mannheim (1975), gebaut aus einfachen Holzlatten, glänzend demonstriert.

Jörg Schlaich und sein Team baute nach diesem Prinzip aus Stahlstäben und mit Seilen ausgesteift zahlreiche ganz leichte und mit Glas eingedeckte Gitterschalen (z.B. Museum für Hamburgische Geschichte Hamburg, 1989, Hauptbahnhof – Lehrter Bahnhof, Berlin, 2006).

Im Workshop in Boisbuchet soll diese Geschichte des Schalenbaus rekapituliert werden und gleichzeitig eine Gitterschale mit elliptischem Grundriss 7,5m / 5,3m und 3m Höhe geometrisch entwickelt, aus Bambusstäben gebaut und mit entsprechend zugeschnittenem Segeltuch bespannt werden – Hommage à Frei Otto, dem großen Meister und Anreger des modernen ökologischem Leichtbaus.

Dafür müssen die zunächst am Boden ausgelegten nach einem rechnerischen Zuschnitt abgelängten Bambusstäbe mit einer Maschenweite von schätzungsweise ca. 50cm an ihren Kreuzungspunkten gelenkig verbunden werden, ein Detail das noch zu entwickeln ist. Ebenso müssen noch die richtigen Querschnittsabmessungen der Stäbe getestet werden, damit sie einerseits beim Anheben und Biegen nicht brechen und andererseits auch nicht zu dünn sind, um später zu knicken – kurzum ein Experiment, das unsere ganze Phantasie und Geschicklichkeit herausfordert und es ist keineswegs sicher, ob es gelingt. Gelingt’s nicht, haben wir viel gelernt, gelingt’s, werden wir mit einer schönen ganz leichten Kuppel belohnt, die wir alsbald in Besitz nehmen können und späteren Workshops zur Nutzung überlassen können.


Jörg Schlaich

Jörg Schlaich wurde 1934 in Stetten i.R. geboren. Nach einer Schreinerlehre studierte er von 1953 bis 1959 Architektur und Bauingenieurwesen an der Universität Stuttgart, und später an der Technischen Universität Berlin. Er war zwischen 1959 und 1960 Assistent am Case Institute of Technology, Cleveland, Ohio, USA, wo er mit einem Master of Science abschloss. Drei Jahre später folgte die Promotion an der Universität Stuttgart. Von 1967 – 2000 war er zunächst Lehrbeauftragter, später Professor, an der Universität Stuttgart, Institut für Massivbau (umbenannt in Institut für Konstruktion und Entwurf).

Gleichzeitig arbeitete er von 1963-1979 zunächst als Entwurfs-
ingenieur, später als Partner, bei Leonhardt und Andrä, Beratende Ingenieure, Stuttgart. 1980 wurde die Partnerschaft Schlaich, Bergermann und Partner GbR, Beratende Ingenieure im Bauwesen, Stuttgart, ins Leben gerufen, deren Geschäftsführer er heute ist.

Seine wichtigsten Projekte umfassen Brücken, Türme, Betonscha-
len, Seilnetzbauten, Glasdächer und Membrandächer, welche in unzähligen Städten sowohl in Europa, als auch in Indien, Hong Kong, Singapore, Malaysia und Südkorea ausgeführt wurden.


Jörg Schlaich hat 5 Bücher und ca. 300 Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften über wissenschaftliche und praktische Aspekte des Ingenieurbaus publiziert. Er ist mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet worden und hat mehrere Auszeichnungen für hervorragende Bauwerke erhalten.