Allein in Brasilien werden täglich 260 000 Tonnen Abfall produziert. Diese Zahl ist beeindruckend und wenn wir sie auf die Schale der Weltwaage legen, verleiht sie der Recycling-Diskussion eine neue Notwendigkeit.
Wir schlagen vor, ein neues Materiallexikon zu erstellen, von den Dingen ausgehend, die wir gewöhnlich als Abfall kategorisieren: Wasserflaschen, Wassergallonen, Kartonverpackungen, Styropor, Plastikbehälter, Holzkonstruktionen, Reifen.
Um die vorangehenden Recherchen zu materialisieren wird fol- gende Aufgabe gestellt: Es gilt, individuelle Hütten mit ausrangier- ten Materialien zu bauen und den Fokus auf die Handarbeit zu richten. Unter Berücksichtigung der Unterschiede von Farbe, Textur, Transparenz, Widerstand und Form werden wir funktionelle Hütten errichten, die den Luxus und die Schönheit der einzelnen Komponenten offenbaren. Die Verwendung von lichtdurchlässigen Materialien verfolgt auch einen ganz bestimmten Zweck: Am Ende des Workshops werden alle Hütten von Innen beleuchtet werden.
Die Handwerklichkeit der Arbeit wird die Überflüssigkeit industri- eller Werkzeuge aufzeigen. Hauptsache ist, mit den Begrenzungen einer jeden Komponente in Kontakt zu treten, Konflikte zwischen Materialien zu erzwingen und neue Schönheitsformen zu entdek- ken. Um das Potential der Handarbeit zu erkennen, muss man heutzutage Wege gehen, die denen der hoch industrialisierten Welt, in der wir leben, entgegenstehen. Es gibt andere Optionen und wir sollten sie suchen. Bereits im Vorfeld des Workshops sollten die Teilnehmer damit beginnen, Müll, Dingen die weggeworfen werden, besondere Aufmerksamkeit zu widment um sich so mit dem Material und seinen Möglichkeiten vertraut zu machen.
Estudio Campana
Die Brüder Fernando (1961) und Humberto (1953) Campana sind zwei der bekanntesten Designer Südamerikas. Eigentlich kamen sie eher zufällig zum Design: Fernando hat Architektur, Humberto Jura studiert. Seit 1983 arbeiten sie jedoch zusammen im ge- meinsamen Atelier in São Paolo und entwickeln Möbel, die im Bereich zwischen Design und Kunst angesiedelt sind. Fernando und Humberto Campana entnehmen ihre Ideen oft dem brasilia- nischen Strassenleben: Es entstehen ungewöhnliche Möbel, die häufig auf alltäglichen Fertigmaterialien, wie Abfallprodukte oder industrielle Güter aufbauen, und trotzdem ästhetisch und funktionell sind. Das Material steht im Zentrum ihrer Praxis und ist oft Ausgangspunkt für neue Formen. So sehen die Gebrüder Campana die Herausforderung darin, etwas Ärmliches in etwas Dekadentes und Luxuriöses zu verwandeln. 1989 erstaunten sie die Öffentlichkeit mit ihrer Kollektion aus Metallmöbel „The Uncomfortables“. Seither sind Möbelskulpturen ein wichtiger Trend in Brasilien geworden. Eine ihrer einfallsreich- sten Kreationen ist der Anemone-Sessel, aus Plastikschläuchen geformt, die sich um eine Stahlkonstruktion winden.
Zwischen 1996 und 2004 leiten sie regelmässig Workshops, nicht nur in Brasilien, sondern auch in Boisbuchet, in Miami und an der ECAL in Lausanne.
Ihre Arbeiten wurden an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstel- lungen gezeigt. An der IMM Cologne 2004 wurden sie eingeladen, ein „Ideal House“ zu entwerfen. Sie sind mit zahlreichen, v.a. nationalen, Preisen ausgezeichnet worden. Ihre Kreationen befinden sich in mehreren prominenten Museen und Institutionen, wie das MoMa, New York, das Vitra Design Museum, Deutschland, das Tel Aviv Museum of Art, Israel oder das Kunstmuseum in Montreal, Kanada.
Zu ihren Kunden zählen u.a. Edra, OLuce, Cappellini und Fontana Art. |